Erfolgreiche Online-Formate: DBKDigital 20

Neu aufgestellt hat sich das Deutsch-Baltische Jugendwerk in Zeiten der Pandemie. Diese DBKDigital 20 ersetzte dank der Unterstützung Freiwilliger eine in Tallinn geplante Präsenzkonferenz. Die vier Events waren ein durchschlagender Erfolg: Es haben sich insgesamt 201 Personen zwischen 16 und 95 für die Konferenz angemeldet aus insgesamt 12 Ländern (Deutschland, Litauen, Estland, Russland, Kanada, Belarus, Österreich, Frankreich, Italien, Usbekistan, Portugal, Lettland). Im Zentrum stand die europäische Solidarität, die im Zuge der Covid-19-Pandemie und von politischen Entwicklungen wie jüngst in Belarus einmal mehr gefordert ist.

Gerade deshalb behandelten die vier Cluster Fragen, die gerade keine einfache Antwort haben und zum Nachdenken anregen – wir sind auf der Suche nach gemeinsamen europäischen Lösungen – die nicht im Aushandeln von nationalen Lösungen bestehen. Gerade die Coronapandemie zeichnet die Aktualität und Relevanz aller Themen auf, von den Vorträgen bis hin zu sich anschließenden Debatten in den Foren. Beiträge lauteten etwa: „Ich will jederzeit kontrollieren können, wer was mit meinen Daten macht!“, oder „Der Diskurs über Europas Zukunft braucht eine kritische Zivilgesellschaft.“

Folgende Fragen zogen sich als roter Faden durch: Wie solidarisch sind die junge und ältere Generation zueinander? Brauchen wir mehr individuelle Eigenverantwortung oder staatliche Fürsorge? Müssen wir gerade in den Bereichen Bildung und Gesundheit mehr digitalisieren? Wie stark beeinträchtigt der Lockdown unseren Wohlstand? Schaffen wir ein Mehr an europäischen Bewusstsein, zumal die Unterschiede der Krisenbewältigung zwischen den Weltregionen, aber auch in Europa selbst deutlich werden?

Für das Cluster B etwa wirkte Professor Dr. Ivars Ījabs als Ideengeber. Der Politikwissenschaftler sitzt als lettischer Abgeordneter im Europaparlament und ist dem Jugendwerk eng verbunden. Ījabs ist ein glühender Verfechter der europäischen Idee und fordert, dass gerade bekannte Persönlichkeiten den europäischen Gedanken weiter vorantreiben. Er machte deutlich, dass wir aktuell ein Defizit an europäischer Gemeinsamkeit sehen, etwa durch die nationalstaatlichen Gesundheitssysteme. Es gebe nach wie vor 27 unterschiedliche Gesundheitssysteme, was sich in der Pandemie fatal auswirke. Die Balten seien offen für jede Art von Vorschlägen, mehr zu koordinieren und, etwa in Forschung und Innovation, neue Wege zu gehen.

Aus Sicht der Konferenzleitung hat es sich bewährt, dass die Büros des Jugendwerks in den drei baltischen Hauptstädten ihre Sichtweisen einbringen und sich besonders in den Foren engagieren. Für eine friedliche Zukunft in Europa kommt der Vernetzung junger Europäerinnen und Europäer zentrale Bedeutung zu. Dafür schafften diese Konferenzen Plattformen, die nun in Vilnius, auf der Deutsch-Baltischen Konferenz vom 16. bis 18. Oktober im hybriden Format weiterentwickelt werden. Die vier Cluster werden folgende Fragen vertiefen: Was ist ein „europäischer“ Lösungsansatz? Man wolle nicht nach Kompromissen zwischen nationalen Ansätzen suchen, sondern nach Lösungsansätzen auf den Schultern der Aufklärung. Man suche nach Ansätzen, die zu den Vorstellungen von Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechten passen. Diese würden sich möglicherweise unterscheiden von kollektivistischen Ansätzen, die auf Konfuzius zurückgehen, und von extrem individualistischen, wie sie einer Ayn Rand gefallen hätten. Wir sind zuversichtlich, dass sich viele neue Vorschläge ergeben werden. Am Ende werden konkrete Positionspapiere stehen, die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger zugehen werden.

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