Solidarität für die mutigen Menschen aus Belarus

Aktualisiert: Sept 22



Belarus ist kein unbekanntes Land mehr und darf es auch nicht mehr bleiben. Mutige Menschen aus Belarus zeigen uns täglich, dass der Kampf um Freiheit keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist. Jeder, der den Menschen in Belarus helfen will, sollte etwas tun: eben nicht wegsehen und aufmerksam bleiben, für Öffentlichkeit sorgen. Die Europäer aus Belarus brauchen unsere Solidarität, um einen friedlichen Wandel zu erreichen. Dass Wahlmanipulationen ein Regime stürzen können, kennen wir aus der Endphase der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Als Organisation, die wir für Völkerverständigung und die Vernetzung von jungen Erwachsenen aus Deutschland, den baltischen Staaten und Russland auf den Grundlagen von Demokratie und Menschenrechten eintreten, schauen wir genau hin. Belarus ist auch in Deutschland weniger unbekannt, als es von den Medien und der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Von Berlin bis Minsk sind es weniger als 1000 Kilometer Entfernung. Es gibt über hundert Vereine und Organisationen, die sich der Vergangenheitsbewältigung widmen, die humanitäre Hilfe leisten oder Bildungsprojekte in Belarus betreiben. Es gibt Städtepartnerschaften und Freundschaften. Europa wächst zusammen. Es existiert mittlerweile eine neue Generation, die mit einem anderen Europabild aufwächst. Der Abbau von Vorurteilen, der Aufbau eines differenzierten Europabildes sind ein langwieriger, mühsamer Prozess. Aber auch hier lässt sich von den Belarussen lernen, die sich als Nation mit dem Kampf ums Überleben und der Selbstbehauptung auskennen. Für solch einen Überlebenskampf braucht man einen langen Atem und Hartnäckigkeit. Es braucht aber auch ein wenig Fatalismus und viel, viel Geduld.

Dass das europäische Projekt eine realistische Option ist, diese Perspektive sollte die EU der Opposition und der demokratischen Bewegung in Belarus bieten. In Litauen haben sich Zehntausende bei einer Protestaktion solidarisch mit den Demonstranten in Belarus gezeigt. Von der Hauptstadt Vilnius bis zur litauisch-belarussischen Grenze entstand eine rund 30 Kilometer lange Menschenkette. Die Menschenkette in Litauen erinnert an den „Baltischen Weg“ vom 23. August 1989. Damals hielten sich rund zwei Millionen Esten, Letten und Litauer über eine Strecke von 600 Kilometern an den Händen, um für ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion zu demonstrieren. Wir unterstützen dieses starke Symbol. Im Baltikum sind die Werte der Freiheit längst zum Teil der politischen Kultur geworden. Wir treten dafür ein, dass das auch in Belarus eines Tages der Fall sein wird.